Die Ballonauten – Eine Fußballer Reise durch Deutschland

Die Ballonauten 

Deutschland im Jahr 1932 – das Land ist von Unsicherheit und einem tiefen Wandel geprägt. Kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bestimmen in der Weimarer Republik Unruhen und eine schlechte wirtschaftliche Situation das Bild. Eine hohe Inflation, hohe Arbeitslosenzahlen und Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung – das alles ist Deutschland im Jahr 1932. 

Fußball Länderspiele der Nationalmannschaft in dieser Zeit

Im Jahr 1932 gab es lediglich fünf Länderspiele, 1933 ebenfalls nur sechs Spiele. Zwischen den Jahren 1942 und 1950 gab es gar keine Spiele der Nationalmannschaft. Erst ein 1:0 gegen die Schweiz am 22.11.1950 brachte die Nationalelf wieder auf den Fußballplatz. Es war das 1.Spiel unter der Bundesrepublik Deutschland. Bundestrainer damals war übrigens Otto Nerz (70 Länderspiele) von 1926 bis 1936, danach kam Sepp Herberger (1936 bis 1964) mit 167 Länderspielen.

Alle aktuellen Länderspiele 2019 und 2020. Im Jahr 2020 findet dann die Fußballeuropameisterschaft 2020 in Frankreich statt.

Wer war in den 1930er Jahren der Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft?

In den 1930er Jahren gab es mehrere deutsche Bundestrainer. Wir sagen dir hier, wer dies war!

In dieser schwierigen Situation finden sich zwei Regensburger wieder: der Hafenarbeiter Franz Berzel und der Bäcker Jakob Schmid. Beide wurden in den 30er Jahren arbeitslos. Die Chancen auf eine neue Anstellung schienen denkbar schlecht. Doch Resignation macht sich trotzdem nicht breit. Vielmehr finden die beiden jungen Regensburger im Fußball ihr Lebenselixier. Am 10. Mai 1932 beginnt die Reise der beiden quer durch Deutschland mit einem riesigen Fußball. Die beiden Fans vom 1. FC Regensburg, der einige Jahrzehnte später zu SSV Jahn Regensburg wurde, lieben den Fußball. Aus diesem Grund widmen die beiden Teile eine erhebliche Zeit ihres Lebens der Reise mit einem Ball. Heute könnten die beiden Regensburger die Spiele ihres Vereins besuchen, der erst vor Kurzem den Aufstieg in die zweite Bundesliga klar gemacht hat.

Das Gefährt – der riesige Ball 

Allein vor der Arbeit der beiden arbeitslosen Handwerker kann man heute den Hut ziehen. Denn diese investierten 500 Arbeitsstunden und über 600 Holzteile für die Herstellung ihrer Riesenkugel. Im Inneren des Balls befanden sich zwei Matratzen, eine Kochstelle, das Gepäck und zahlreiche Kleinigkeiten. Dies alles lässt die Dimension der speziellen Kugel erahnen. Übrigens haben sich die beiden Regensburger genau überlegt, wie die Riesenkugel konstruiert wird. Denn bei der Bewegung rollt sich der Innenraum nicht mit. Dieser liegt vielmehr auf vielen Kugellagern, sodass sich nur die Wände drehen, während der Innenraum stets im Gleichgewicht bleibt. Aus heutiger Sicht handelt es sich um ein handwerkliches Meisterwerk – die meisten Heimwerker würden an einem solchen Vorhaben wohl mit Knall und Fall scheitern. 2,05 Meter Durchmesser und über 600 Kilo sind die Eckdaten des Balls, welcher sich durch ganz Deutschland bewegte.

Hinweis auf unsere Sponsoren

Ballonfahren mit den Ballonauten? Woher kommt das Wortspiel? Ein Aeronaut mit einem Ballon? Mitfahren können Sie im Augsburg Ballon!

Schweben über der Fuggerstadt Augsburg, hier wo die beiden Ballonauten auch durch gekommen sind!

Die Ballonauten – wer war dabei? 

Schmid und Berzel begannen gemeinsam die Reise durch Deutschland. Doch in dieser Konstellation sollte die Reise nicht enden. Denn Berzel bekam im Laufe der Reise ein Angebot auf Arbeit in der Zuckerfabrik in Regensburg. Voller Hoffnung entschied er sich für die Sicherheit einer Anstellung. Schmid setzte die Reise jedoch fort – sein Freund Georg Grau wurde seine neue Begleitung. 

Die Reise der Ballonauten 

Doch wie verläuft die Geschichte der beiden Ballonauten, die sich selber gar nicht so genannt haben. Vor mehr als 80 Jahren wollten die beiden jungen Männer Deutschland bereisen. In einer Zeit ohne Billigflüge, AirBnB oder Couchsurfing standen viele Fragezeichen vor dem Beginn der Reise. Nichtsdestotrotz entschieden sich die beiden für einen Weg, der ihnen posthum große Bekanntheit gebracht hat.

Startpunkt der Reise war die Heimatstadt Regensburg. Insgesamt wurden 5000 Kilometer quer durch Deutschland angepeilt. Einige bekannte Städte wie Leipzig, Berlin, Jena, Bamberg, München, Augsburg oder Stuttgart lagen auf dem Weg der beiden Ballonauten. In einem stetigen Auf und Ab wollten die Beiden ganz Deutschland erkunden.

Doch wie finanzierten die beiden als Arbeitslose ihre Reise? Schließlich wurden Speis und Trank benötigt, um quer durch Deutschland reisen zu können. Sprit wurde glücklicherweise nicht benötigt – denn für die Fortbewegung vom Ball genügte allein die Manneskraft der beiden kräftigen Regensburger Handwerker. Die beiden hatten sich vorgenommen, ihre Reise mit dem Verkauf von Postkarten zu finanzieren. In jedem Ort verkauften die beiden Postkarten aus dem Riesenball. In 16 Monaten bereisten die beiden mehr als 3000 Kilometer – die Finanzierung klappte also relativ gut. Vor allem der einfache Mann ließ den beiden Handwerkern Unterstützung zukommen. In vielen Orten kauften zahlreiche Bewohner die Postkarten. Zudem gab es auch Arbeiter—Sportvereine, die für Speis und Trank sorgten. Denn zahlreiche Zeitungsartikel in den bereisten Städten zeugen davon, dass die Ballonauten in der damaligen Zeit sehr bekannt waren – die beiden Männer, die aus Liebe zu ihrem Sport, einen überdimensionalen Fußball durch ganz Deutschland zogen.

Doch wie könnte es anders sein? Selbstverständlich verlief die Reise nicht vollständig wie geplant. Vor allem zwei Ereignisse stehen sinnbildlich für die Strecke durch Deutschland – die höchste Erhebung und die Randale in Chemnitz. Doch dazu mehr im Folgenden.

Randale in Chemnitz 

Die Zeit der Reise wurde durch Unruhen in Deutschland geprägt. Die Nationalsozialisten breiteten sich immer weiter aus und Zusammenstöße mit Kommunisten häuften sich. Eines Tages befanden sich die beiden Regensburger im beschaulichen Schönau, einem Vorort von Chemnitz. Dort berichteten Einheimische, dass in Chemnitz Ausschreitungen stattfinden – im Vorfeld der damaligen Reichstagswahl tobten vor allem in Chemnitz gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Der Ballonaut Schmid entschied sich trotzdem zur Fahrt nach Chemnitz. Dort konnte er die Vorkommnisse mit eigenen Augen erleben.

In ganz Deutschland starben bei diesen Kämpfen übrigens mehr als 300 Menschen. Über 1000 Verletzte zeugen von dem Ausmaß der Straßenschlachten. Doch das Ausmaß der Auseinandersetzungen war aus damaliger Sicht schlichtweg nicht greifbar – vielmehr taten Polizisten, Bevölkerung und die Ballonauten diese als etwas nahezu Alltägliches ab. Eines Tages saßen die beiden Ballonauten in einer Suppenküche der SA. Die Nationalsozialisten hatten die bekannten Handwerker zum Essen eingeladen. Doch dies ist keineswegs ein Indiz für eine Sympathie für die Nationalsozialisten. Vielmehr ist die Geschichte der Ballonauten eine Story frei von Ideologien und Vorurteilen. Auf der einen Seite gab es enge jüdische Freunde, während auf der anderen Seite auch Essenseinladungen der Nationalsozialisten angenommen wurden. Als kleine, einfache und arme Männer hatten Schmid und Berzel (später Grau) keine Wahl. Unterwegs mit begrenzten Mitteln mussten die beiden Handwerker alle Möglichkeiten nutzen, um die Reise fortsetzen zu können.

Doch die Zeit war auch von Angst geprägt. In einem Beitrag im Tagebuch schrieb Schmid beispielsweise, dass er voller Hoffnung ist, dass den Beiden nichts passiert. Vielmehr hofften die Ballonauten als echte deutsche Sportler wahrgenommen zu werden. Trotz allem stand die Politik für beide im Hintergrund. In ihren Beiträgen widmeten sich die Ballonauten nicht dem Tagesgeschehen in Deutschland – vielmehr ging es einzig allein um ihre große Leidenschaft: den Fußball und die Fahrt durch Deutschland mit einem überdimensionierten Ball. 

Aufstieg auf den Wallberg am Tegernsee 

Eine der größten körperlichen Leistungen und Highlights der Deutschlandtour fand Anfang Mai 1933 statt. Denn die beiden fußballverückten Handwerker beabsichtigen eine Fahrt auf den Wallberg am Tegernsee. Dieser ist 1500 Meter hoch. 1500 Meter, die wohlgemerkt zu Fuß bewältigt werden mussten. 1500 Meter, die der riesige Fußball bergauf gezogen wurde. Die beiden Ballonauten erbrachten eine unvorstellbare Leistung. Denn sie zogen den 600 Kilo schweren Ball wirklich hoch auf den Wallberg.  Doch diese körperliche Leistung bezieht sich nicht allein auf den Aufstieg des Bergs. Jeden Tag zogen die Ballonauten den Ball hinter sich her – durchschnittlich waren es 24 Kilometer am Tag.

Das Ende einer langen Reise 

Nach 16 Monaten und über 3000 Kilometern quer durch Deutschland war Schluss – doch das Ende kam schneller als erwartet. Denn eigentlich wollten die Ballonauten weiter durch Deutschland reisen. Schließlich waren weite Teile der Republik noch nicht bereist. Allerdings machte die Kugel den beiden einen Strich durch die Rechnung. Denn diese brach am 13. August 1933 zwischen Ellwangen und Rosenberg einfach auseinander. Die beabsichtigte Reparatur war leider nicht möglich – die Kugel war irreparabel. Aus diesem Grund hatten die beiden Regensburger keine Wahl – die Reise war zu Ende. Der riesige Fußball wurde anschließend noch mit der Bahn nach Regensburg befördert und ging nie wieder auf Reisen.

Die Zeit nach der Deutschland-Reise der Ballonauten 

Doch was war nach dem Ende des Kriegs? Denn Deutschland hatte sich verändert – die Weimarer Republik lag in der Vergangenheit und das Dritte Reich war die Gegenwart. Was also brachte die Zukunft für die Ballonauten aus Regensburg?

Denn einige Jahre später stand der zweite Weltkrieg vor der Tür. Diesen überlebte Jakob Schmid nicht. Erst in den letzten Tagen des Kriegs starb Schmid im Mai 1945. Der andere Ballonaut Franz Berzel überlebte den großen Krieg. 20 Jahre später starb er im Stillen in Regensburg. Über den Nachfolger Georg Grau ist fast gar nichts bekannt. Das Gleiche gilt jedoch auch für die anderen Ballonauten – das eigene Tagebuch und zahlreiche Fotos sowie Zeitungsberichte erzählen die Geschichte der Deutschlandreise. Was davor und danach passiert – darüber wissen wir wenig – und werden es wohlmöglich auch nie erfahren.